EU gibt grünes Licht für Chipfabriken von GlobalFoundries und X-FAB
Die EU-Kommission hat deutsche Fördergelder in Höhe von insgesamt 623 Millionen Euro genehmigt. Die Mittel fließen in den Ausbau der Halbleiterfertigung in Dresden und Erfurt. Ziel ist es, die europäische Unabhängigkeit bei kritischen Chips für Industrie und Verteidigung zu stärken.

- Arne Bauer
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Die Europäische Kommission hat am vergangenen Donnerstag die Genehmigung für staatliche Beihilfen Deutschlands zugunsten zweier Halbleiterhersteller erteilt. Insgesamt 623 Millionen Euro dürfen als direkte Zuschüsse an GlobalFoundries in Dresden und X-FAB in Erfurt fließen. Die Kommission begründete die Entscheidung mit der Bedeutung der Projekte für die technologische Souveränität der EU und die Versorgungssicherheit im Rahmen des European Chips Act.
Beide Vorhaben gelten als „First-of-a-kind“-Anlagen in Europa, was die beihilferechtliche Ausnahme nach Artikel 107(3)(c) des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) ermöglicht.
GlobalFoundries: Fokus auf Dual-Use und Sicherheit
Der Großteil der Förderung, rund 495 Millionen Euro, entfällt auf GlobalFoundries. Das Unternehmen plant in Dresden das Projekt „SPRINT“. Dabei handelt es sich um den Ausbau und die Anpassung der bestehenden 300-mm-Wafer-Fertigung.
Im Gegensatz zur reinen Massenfertigung für Consumer-Elektronik zielt das Projekt auf sogenannte Dual-Use-Anwendungen ab. Die gefertigten Chips sollen spezifische Sicherheits- und Zuverlässigkeitsanforderungen erfüllen, die für die Luft- und Raumfahrt, die Verteidigungsindustrie sowie kritische Infrastrukturen notwendig sind. Die Technologien basieren auf Entwicklungen des IPCEI (Important Project of Common European Interest) für Mikroelektronik, werden aber nun für diese sensiblen Märkte adaptiert. Laut Kommission ist es das erste Mal, dass solche Technologien in diesem Maßstab und mit einer vollständig europäischen Wertschöpfungskette gefertigt werden.
X-FAB: Offene Foundry für den Mittelstand
Für den Standort Erfurt genehmigte Brüssel 128 Millionen Euro Beihilfen für X-FAB. Unter dem Projektnamen „Fab4Micro“ soll dort eine neue Fertigungsstätte entstehen, die auf mikroelektromechanische Systeme (MEMS) in Kombination mit fortschrittlichen Packaging-Verfahren spezialisiert ist.
Die Anlage ist als „Open Foundry“ konzipiert. Das bedeutet, dass sie Fertigungsdienstleistungen primär für Fabless-Unternehmen, Start-ups und KMUs anbietet, die bislang oft auf Auftragsfertiger außerhalb Europas angewiesen waren. Die Chips sollen vorwiegend in der Automobilindustrie, für KI-Anwendungen und in der Medizintechnik zum Einsatz kommen. Der kommerzielle Betrieb der neuen Anlage ist für 2029 geplant.
Verpflichtungen im Krisenfall
Die Genehmigung der Staatshilfen ist an Bedingungen geknüpft. Beide Unternehmen haben sich verpflichtet, ihre Werke als „Open EU Foundries“ im Sinne des EU-Chips-Gesetzes anerkennen zu lassen. Dies beinhaltet die Pflicht, im Falle einer von der EU festgestellten Versorgungskrise („Supply Crisis“) vorrangige Aufträge (Priority-rated orders) zu bedienen, um Engpässe bei kritischen Gütern zu vermeiden.
Zudem müssen die Unternehmen Innovationen vorantreiben, in die Ausbildung von Fachkräften investieren und Gewinnbeteiligungen an den deutschen Staat abführen, sollten die Projektgewinne die aktuellen Erwartungen übersteigen.
Die Kommission betonte, dass die Maßnahmen notwendig seien, um die Resilienz der europäischen Lieferketten zu sichern, da die Investitionen ohne staatliche Anreize wohl nicht in Europa getätigt worden wären.
Die offizielle Pressemeldung der EU findet sich unter diesem Link